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Der Amen Break

“Was ist das?” - “Nennt sich Amen.” - ” Klingt verdammt gut!” Das war einmal die Reaktion einer gute Freundin von mir, der ich zum ersten Mal den wohl bekanntesten Break(beat) im Drum & Bass verspielte. Aber was genau macht diesen Beat so besonderes und vor allem, warum bestimmt er bis zum heutigen Tag (und mit der größtmöglichen Sicherheit auch die Zukunft!) einer Musikrichtung, die wir (naja, ihr seit doch hier schon auf einer D&B Seite!) mögt oder euch zumindest damit beschäftigt.

Der Breakbeat und seine Geschichte bis heute:

Man muss wissen, das gerade James Brown es war, der es schaffte, den Begriff Break in die Popmusik der Neuzeit einzubringen,der sich wiederum aus dem Jazz der 20′er und 30′er Jahre entwickelte. Ein Break bezeichnet im Grunde nur eine Stelle in der ein Teil der Instrumentierung ganz alleine spielt und nicht wie zuvor im Zusammenspiel mit anderen. Das kann natürlich ebenso eine Gitarre, als auch eine Blasinstrument, oder, wie in diesem Fall, ein Schlagzeug sein. Im Falle des Schlagzeuges ist dann aber eher der Begriff Breakbeat zu gebrauchen. (Obwohl man auch darauf schließen könnte, dass es sich eben um einen gebrochenen, das heißt nicht geradlinig, wie z.B. im Techno der auf jeder 1/4 Note des Taktes liegenden Bassdrum, handelt, sondern um eine anderes, vom afrikanischen abgeleiteten Rhythmus afrikanischer Sklaven, rhythmisches Schlagmuster.)

Ein frühes und sehr bekanntes Beispiel des Einsatzes von einen gesampleten Breakbeat, der auch heute noch bekannt ist, ist “Apache” von der “Sugarhill Gang” (Original: Micheal Viner’s Incredible Bongo Band - “Apache” 1973), auf den “Apache” werde ich an anderer Stelle noch berichten.

Die 80′er Jahre brachten die ersten erschwinglichen Sampler mit sich, die es auch erlaubten, diese kurzen Breaks auch ohne viel von Timing des Mixens zu verstehen Instrumente und Loops kreativ zu nutzen. Wie man bekanntlich weiß entwickelte sich das ganze über die 80′er weiter in die 90′er zu einer totalen Beherrschung des Musikmarktes durch die doch platz- und vor allem Ressourcensparenden Sampler weiter.

Die Winstons sind eine kleine Gruppe aus Washington D.C. (von denen glaub ich auch nur noch zwei Leben, die IMMER noch auch Hochzeiten oder sonstigen Veranstaltungen auftreten) die 1969 nur einen einzigen Hit hatten: Die von James Brown mit produzierte Platte “Color him father” mit der B-Seite “Amen Brother”. Natürlich war dieser Titel zuerst nur wegen diesem Track in vielen Plattenkisten von Funk- und Soulenthusiasten gelangt. Viele dieser Begeisterten vergaßen schnell dieses One-Hit Wonder, nicht jedoch, so scheint es, ihre Kinder und die nachfolgenden Generationen, die begannen, die Plattenkisten ihrer Eltern zu durchstöbern.

Der Titel “Amen Brother” stammt ursprünglich von einem alten Sklavenlied das noch bis in die 20er und 30er Jahre des 20.Jahrhunderts bei der Baumwollernte gesungen wurde. Leider kenne ich den Text nicht, da die Version von den Winstons auch einer sehr eigenwillige Interpretation ist, die mehr an einen Surfsong im Stile von den Beach Boys erinnert und ohne Gesang auskommt. Aber ich glaube der tiefsitzende Glaube der Winstons und die in diesen Jahren aufkeimende bzw. aktive Liberalisierung und lang zustehende Gleichberechtigung der Schwarzen führte dazu ein Statement in diese Richtung abzugeben.

Drummer war ein gewisse G.C. Coleman, der zeitweise auch in der Band von James Brown spielte und nur für Amen Brother eingesetzt wurde. Ich habe aber keine Hinweise darauf, warum der eigentliche Drummer der Band nicht spielte.

Der Amen in D&B und anderen Musikrichtungen

Keiner weiß so genau, wer jetzt als erster auf die Idee kam diesen Break in seine Tunes einzubauen, aber eines der ersten und auch wohl bekanntesten (im Sinne von WEITLÄUFIG bekannt) dürfte Mantronix “King of the Beats” gewesen sein.

Für den unseren Bereich der elektronischen Musik ist aber kein wirklicher Fixpunkt fest zu machen. In der Zeit, in der das neue Ding Techno aus Detroit und House aus Chicago nach Europa herüberschwappten ist alles sehr schwammig und auch mein Alter und vor allem mein nicht Anwesendsein sollte dies entschuldigen. Am Ende experimentierten dennoch viele eben mit dieser neuen Musik herum und waren sich, im Gegensatz zu den Artists aus Amerika nicht zu schade, auch HipHop und Techno direkt zu hybridisieren. In dieser Zeit wird wohl auch der Amen in seltenen Fällen aufgetaucht sein, jedoch nicht so oft wie der wesentlich bekannteren “Apache” oder “Funky Drummer” (ein anderes Mal vielleicht!)

Die meisten stimmen mit Lenny D Ice’s “We are E” von 1989 und LTJ Bukems “Demon’s Theme” zwei Jahre später als DIE beiden Stücke überein, die den Amen zu dem machten was er heute ist. Natürlich wurde er sicherlich schon vorher benutze und in der Zeit zwischen “We are E” und “Demon’s Theme” auch, wobei sich dies einem weiteren Publikum immer verschlossen bleiben wird.

Erwähnenswert sei an dieser Stelle NWA’s “Straight outta Compton” (1988). Das besondere: Hier wurde der Amen zum ersten mal herunter gepitcht, da das Original schon eine atemberaubende Geschwindigkeit hatte und für die Raps der damaligen Zeit wohl doch etwas zu schnell war. Eben diese, von Natur aus, hohe Geschwindigkeit und das populär werden von “Straight outta Compton” wird wohl dazu geführt haben, dass viele Kids, die zu dieser Zeit Hardcore entdeckten auch den Amen zu entdecken.

Da war er eben. Dieser knallharte Break um die 140 bpm und den man mit wenig Arbeit hochpitchen konnte und immer noch verdammt fett klang ohne an Volumen zu verlieren. Die ganze Dynamik des Schlagzeugs mit einer tiefen drückenden Bassdrum und den ohrenzerschneidenden Hihats und der (vielleicht nur für mich) einzigartigen Kombination auch Bassdrum und Crashbecken am Ende des Breaks machen ihn zu einem unvergleichlichen Stück Musikgeschichte, die auch erst in den Neunzigern geschrieben werden konnte. Das ganze entwickelte sich natürlich weiter zu Jungle, der wohl ohne Amen nicht existieren würde und auf dessen Wirkung in Bezug auf sampeln von Beats ich nicht weiter eingehen möchte, da das an andere Stelle wesentlich besser erklärt wird, und ich finde, dass jeder von uns das im Detail kennt.

Die “Tramen” / “Firefight” Debatte

Genauso wichtig sei hier zu erwähnen, das trotz der massiven Manipulation des Breaks es niemand geschafft hat ein an ihn heranreichendes Pedant auf Grundlage des “Amens” zu entwickeln. Einzige Ausnahme hier ist der “Tramen” oder auch “Firefight”. “Tramen” ist der bessere Ausdruck da er ursprünglich von DJ Trace stammt. Es gibt darüber auch einen “Streit” ob nun Dom Angas (von Dom & Roland) die Idee hatte den “Amen” mit dem sog. “Tighten Up” von James Brown zu verbinden und ihn dann später in Zusammenarbeit mit Trace bei Sonar sozusagen “geklaut” wurde. Dieses Missverständnis wurde aber 2004 in einer Ausgabe des Magazins Knowledge mit einer Erklärung von beiden aufgeklärt. (Mal abgesehen davon klingt “Domen” oder “Amand” extrem gekünstelt! ;o] )

Bis heute also bleibt der Amen in Teil von Drum & Bass und wird es wohl auch immer bleiben, denn es gibt KEINEN, der nicht schon einmal den Amen gehört hat und KEINEN Produzenten der ihn nicht schon einmal benutze hat! Ein zauberhafter Break der seines gleichen sucht und wohl niemals ersetzt werden kann.

Zusammenfassung

Original Interpret:
The Winstons
Titel der Platte:
Color Him Father / Amen Brother (MP3/1,7MB/96kps) (1969)
Tempo:
ungefähr 137 bpm

Wurde benutzt bei: Mantronix “King of the Beats”, NWA “Straight outta Compton”, Ungefähr alles von Ray Keith, 1994 Ragga Jungle, so viele unzählige mehr !!!

Download des Breaks: Amen Brother (WAV/2,5MB)

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