Was man über Studiomonitore wissen sollte.
Da man direkt vor den Lautsprechern sitzt, sollten Nahfeldmonitore einen sehr breiten Abstrahlwinkel beschallen, wobei der Frequenzgang in allen Richtungen möglichst gleich ausfallen sollte. Der Arbeitsbereich des Tontechnikers (nach vorn über das Mischpult gebeugt bis bequem im Sessel zurückgelehnt) ist für die in Relation kleinen Boxen, die meist unmittelbar hinter der Meterbridge positioniert sind, recht weit. Die Klangeigenschaften der Box sollten sich innerhalb dieses Bereiches möglichst nicht ändern.
Der Frequenzgang ist eines der wichtigsten Bewertungskriterien von Studiomonitoren. Er sollte sich in einem möglichst breitem Frequenzbereich bewegen, in sich linear und möglichst richtungsunabhängig sein. Im Gegensatz zum Klangideal eines Hifi-Lautsprechers ist bei Studiomonitoren ein schönender Frequenzgang mit vielen Höhen und viel Bässen (Loudness) nicht erwünscht.
Aufgrund der größtmöglichen Linearität in den Mitten galt für Studiomonitore in vergangener Zeit ein ähnliches Wiedergabeverhalten, wie es bei Küchenradios o.ä. zu finden ist. Das hat sich zum Glück etwas geändert, da heutzutage auch bei kleinen Wiedergabesystemen auf eine gute Bassübertragung geachtet wird - die Höhenwiedergabe bereitet sowieso keine Probleme. Wenn die Wiedergabe der Bässe beim Monitor zu schwach ist, wird man eine Mischung produzieren, die auf Allerweltsboxen letztlich zu basslastig klingen. So darf der Studiomonitor heute schon angenehm bassig und klar klingen, ohne zu schönen.
Aktuellere Entwicklungen sind wesentlicher bassiger und samtener, als die uncharmant mittige Yamaha NS-10M. Sie streben eher das Ideal eines möglichst breiten Frequenzbereiches an.
Gute Verstärker und Boxen zeichnen sich durch eine gute Impulswiedergabe und geringes Nachschwingen aus. Aber einen nadelspitzen-förmigen Impuls annähernd unverzerrt wiederzugeben, vermag kein Lautsprecher. Die träge, gefederte Masse von Membran und Schwingspule schwingt stets nach.
Wie stark ausgeprägt dieser Effekt ist und welches Resonanzverhalten die Box dabei an den Tag legt, prägt entscheidend den Klang. Jeder Hersteller von Lautsprechern verfolgt dabei verschiedene Strategien z.B. durch Positionierung der Tieftonlautsprecher in der Box, um einen Laufzeitabgleich zu erzielen usw. Größtes Problem sind die Übergangsfrequenzen von Basslautsprechern und Hochtonlautsprechern. Da die Übergangsfrequenz stets im hörbaren Bereich liegt, sollten die Frequenzweichen aus Filtern mit hoher Flankensteilheit bestehen, typischerweise 24 dB/Oktave. Im Bereich der Nahfeldmonitore haben sich Zweiwegboxen durchgesetzt, da diese nur eine einzige Übergangsfrequenz erfordern. Weiterer Vorteil: Zweiwegeboxen lassen sich mit Subwoofern für den ganz tiefen Bassanteil kombinieren (Surround-Systeme).
Die Impulswiedergabe läßt sich anhand eines dreidimensionalen Kumulativen Zerfallspektrum-Diagramms darstellen. Eine gute Box zeichnet sich durch einen möglichst linearen Frequenzgang der Phase aus.
Verstärker müssen entweder gut auf die Lautsprecher abgestimmt (das ist der Vorteil bei aktiven Studiomonitoren) oder überdimensioniert sein. Den Laien wundert es, der Fachmann weiß Bescheid: Die Nennleistung eines Verstärkers sollte grundsätzlich wesentlich höher liegen, als die Nennbelastbarkeit des Lautsprechers. Man kann zwar mit der hohen Verstärkerleistung den Lautsprecher zerstören, doch viel wahrscheinlicher ist die Zerstörung eines Hochtöners durch verzerrte Signale eines schwachen überlasteten Verstärkers. Stärkere Verstärker bieten zudem einen besseren Dämpfungsfaktor und die Fähigkeit, schnelle Spannungsanstiege fehlerfrei zu übertragen (Slew Rate).
Außerdem haben externe Verstärker einen Eigenklang, so daß die mitgebrachte Monitorbox in jedem Studio anders klingen könnte. Eine weitere Schwachstelle ist der Anschluß und die Übertragung des verstärkten Signals zur Box. Die Kabel sollten möglichst kurz, mit dickem Querschnitt unf mit geringem Widerstand gewählt werden, die Anschlüsse sollten möglichts massiv ausfallen.
Optimale Voraussetzungen für eine preiswerte und gelungene Abstimmung von Verstärker und Lautsprecher liegen bei Aktivboxen vor. Kurze Kabel im Boxeninneren sind fest verlötet. Aktive Frequenzweichen mit hoher Flankensteilheit und optimalem Time Alignment, kombiniert mit Limitern für jeden Lautsprecher in der Box sorgen für ein Sorglospaket oberster Klang-Referenz. All diese Aspekte haben dazu geführt, daß sich Biamping Aktivboxen unter den Studiomonitoren immer mehr durchsetzen.
Eine Weiterentwicklung dieses Gedankens sind jüngere aktive Modelle mit Digitaleingängen. Besonders in modernen digitalen Studios bieten diese Geräte eine unverfälschte Wiedergabe mit der Möglichkeit, verschiedene Filterkurven zu wählen bzw. mit aktiven Bass- oder Höhenfiltern Korrekturen vorzunehmen.
Geringe Verzerrungen sind ein weiteres Qualitätskriterium für Verstärker und Lautsprecher gleichermaßen. Diese fallen zumeist im Bass stärker aus als in den Mitten und Höhen. In Diagrammen werden oft die Pegel der zweiten Harmonischen, der dritten Harmonischen und aller restlichen Harmonischen nebst inharmonischen Rauschens (THD & Noise)angegeben. Harmonische Verzerrungen, die auch eine angezerrten Gitarrensound kennzeichnen, gaukeln Obertöne vor, die in der Mischung nicht wirklich enthalten sind. Aufnahmen romantischer Klaviermusik, also leise, mit geschlossenem Deckel eingespielte Flügelaufnahmen (oder auch eine Solo-Posaune) decken harmonische Verzerrungen auf.
Die Konstruktion eines Studiomonitors sollte keinerlei Kanten aufweisen, an denen sich der Schall streuen kann (Diffraktion). Daher haben auch viele Boxengehäuse abgerundete Kanten. Besonders die Hochtöner werden im Gehäuse meist in einer Art Trichter untergebracht, damit sich die Schallwellen gleichsam wegbiegen, aber auch einen großen Abstrahlwinkel ermöglichen. Stoffbespannungen sind bei Studiomonitoren grundsätzlich verpönt.
Der ideale Studiomonitor hat eine unendlich ausgedehnte Vorderseite, d.h. er ist in die Wand eingelassen, um keinen akustischen Kurzschluß zu verursachen (wer einen nicht in ein Gehäuse eingebauten Lautsprecher gehört hat, weiß wovon ich spreche). Diese Konstruktion findet man allerdings nur in professionellen Studios mit großen Diffusfeldmonitoren, die Frequenzen unterhalb von 60 Hz halbwegs verzerrungsfrei wiedergeben können.
Nahfeldmonitore stehen frei im Raum und können durch zusätzliche Basssysteme getrimmt werden. Bei den kleinen Nahfeldmonitoren ergibt sich das Problem in der Basswiedergabe, da dieser nach vorn und nach hinten abgestrahlt wird. Das führt zu hörbaren Reflektionen. Bei der Aufstellung der Box in einem Regal können Resonanzen zum Dröhen führen.